Seite wählen

Der Grenzübertritt von Serbien nach Bulgarien (Grenzübergang Gradinje) verläuft genauso schnell und einfach wie die Einreise nach Serbien. Nach einer knappen halben Stunde bin ich über die Grenze.

Um nicht durch Sofia fahren zu müssen habe ich mich dazu entschlossen gleich auf kleine Nebenstraßen auszuweichen. Ich fahre durch bergige Landschaften mit herrlichen Kurven. Die Landschaft läßt mich, genauso wie in Serbien oder Rumänien, oft anhalten um den Ausblick zu genießen.

Abends mache ich Station auf einem kleinen Campingplatz. Der Standard ist hier sehr niedrig, der Preis dafür um so höher (10 Euro).

Für den nächsten Tag habe ich mir ein paar Strecken die auf der Landkarte nach Bergen und vielen Kurven aussahen (so gehe ich meistens bei meiner Streckenauswahl vor 🙂 ) herausgesucht. Vor allem die Strecke zwischen Sofia und Rebarkovo ist wirklich sehenswert. Ich drücke praktisch andauernd auf den Auslöser der GoPro. Bitte entschuldigt die vielen Bilder. Ich war einfach begeistert.

Zwischendurch sehe ich noch an einer Tankstelle ein anderes Gespann und muß es erst mal bewundern.

Unterwegs fülle ich mein Wasser meistens an den vielen Brunnen am Wegesrand auf. Bei dem hier hatte jemand Humor und hat ihn mit Plastikflaschen an die heutige Zeit angepasst. Dort habe ich allerdings kein Wasser aufgefüllt.

Ich habe mir als Ziel für diesen Tag einen in GoogleMaps als Campingplatz ausgewiesenen Ort in der Nähe von Malki Iskar herausgesucht. Die “Watermill” entpuppt sich allerdings als Pension mit Parkplätzen an der Straße. Darauf habe, da ich das Motorrad nicht abschließen kann, keine Lust. Also fahre ich weiter und suche nach einem geeigneten Platz um wild zu Campen.

Auf einer extremen Holperstrecke finde ich dann einen halbwegs geeigneten Ort. Das Problem ist meistens das mein Zelt einfach zu groß ist. Entweder der Platz reicht nicht aus oder das Zelt ist von der Straße aus zu sehen.

Mein Zelt will ich erst kurz vor der Dunkelheit aufbauen also lese ich noch eine Weile mache mir Essen. Abends, nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, kommt eine kleine Herde freilaufender Kühe vorbei, schaut sich kurz mein Motorrad an und läßt sich dann ganz in der Nähe für die Nacht nieder. Nachts bewachen Sie mein Zelt. Ich fühle mich richtig sicher.

Der nächste Tag führt mich weiter durch wunderschöne Landschaften.

Ich habe mir für den Abend über Booking ein Hotel in Kalofer gebucht. Ich will erst in 2 Tagen im Motocamp Bulgarien sein, wo ich dann länger Rast machen will um auf ein Paket mit Reifen und anderen Kleinteilen die ich brauche zu warten. Bis dorthin ist es aber nicht mehr so weit. Also reduziere ich meine Tagesstrecken auf 120-150 Km und mache ein paar Umwege.

Für den nächsten Tag habe ich mir den Troyanpass als Anfangsstrecke herausgesucht.

Es sind nur noch ca. 150 Km bis zum Motocamp also suche ich heute relativ früh nach einem Platz um wieder wild zu Campen. Ich finde einige geeignete Stelle an der Paßstraße, allerdings sind alle entweder vermüllt oder übermäßig als Toilette benutzt. Ich gebe auf und fahre weiter, halte an jedem zweiten Feldweg an und sehe nach ob ich ein Plätzchen finde.

Irgendwann habe ich dann ziemlich die Schnautze voll vom suchen und fahre einfach einen ziemlich schlechten Feldweg bergauf in eine riesige verwilderte Obstwiese. Fast oben am Gipfel angelangt komme ich auf einen Teilbereich der eben und gemäht ist. Ein super Platz. Hier mache ich Station.

Als ich abend dann mein Zelt aufbauen will höre ich ein Auto den Weg hochfahren. Na klasse, denke ich. Es sind die Besitzer der Wiese, ein älteres Ehepaar. Für mich ist es eine komische Situation da ich noch nicht so oft Wildcampen gemacht habe, für die beiden anscheinend ebenfalls weil sie im ersten Moment nicht wissen wie sie damit umgehen sollen. Ich mache mit Händen und Füssen verständlich das ich nur eine Nacht dort Campen will und frage ob das ok ist. Die beiden haben nichts dagegen. Wir geben uns die Hände und alle sind wieder entspannt.

Kurz danach kommt der Sohn mit seiner Familie ebenfalls noch an. Alle zusammen machen sich an die Zwentschenernte. Der ältere Herr gibt mir zu verstehen das er aus den Zwentschen Schnapps macht.

Kurz darauf bekomme ich eine kleine Flasche in die Hand gedrückt. Whisky ist das offensichtlich nicht. Der selbstgebrannte schmeckt mir an dem Abend sehr gut.

Abends sitze ich noch einige Zeit im Dunkeln vor dem Zelt und bewundere den Sternenhimmel. In allen Osteuropäischen Ländern sind die Sterne viel besser zu sehen als ich es aus Deutschland her kenne da hier nicht so viel Straßenbeleuchtung an ist. Ich sehe einige Sternschnuppen. Eine Eule fliegt nur knapp 2 Meter über meinen Kopf vorbei und jagt mir einen ziemlichen Schrecken ein.

Inzwischen bin ich im Motocamp angekommen. Die Gebäude sind mit viel Liebe instandgesetzt worden und es sind einige Motorradfahrer hier. Die nächsten Tage werden bestimmt interessant.