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Türkei – Eine Panne kommt selten alleine

Türkei – Eine Panne kommt selten alleine

Da ich erst Abends um 18 Uhr mit der Fähre im türkischen Cesme ankommen sollte habe ich mir im Voraus in einem Hotel ein Zimmer gebucht. Allerdings verzögert sich sowohl die Abfahrt der Fähre als auch die Abfertigung bei der Einreise in die Türkei so daß ich erst um 21 Uhr im Hotel ankomme. Das Hotel kostet mit wirklich reichhaltigem Frühstück nur 16 €.

Am nächsten Morgen kaufe ich erst eine türkische Sim-Karte für mein Telefon und fahre dann etwas ins landesinnere, weg von der Küste.Inzwischen funktioniert die Kupplung in kaltem Motorzustand kaum noch. Erst wenn der Motor warm ist gelingt ein Weiterfahren. Ich mache mir bereits Gedanken wo ich das Motorrad reparieren soll, fahre aber trotzdem weiter.

In einem kleinen Bergdorf liegen vor einer Bauernhaustür Brote aus. Für umgerechnet 80 Cent bekomme ich ein Riesenbrot. Abseits der Touristenregionen ist die Türkei wirklich sehr günstig.

Von Anfang an gefällt mir die Türkei sehr gut. Landschaftlich sehr abwechselungsreich mit sehr herzlichen, gastfreundlichen Menschen. Fast bei jedem Stop hält jemand an um ein Schwätzchen zu halten oder läd mich zum Chai trinken ein. Auffallend hierbei ist das relativ wenige Menschen im Hinterland englisch sprechen. So wird ein kleiner Plausch schnell zum Erzählen mit Händen und Füßen.

Abends kehre ich auf einem Campingplatz ein. Als ich morgens losfahren will komme ich kaum vom Platz weil die Kupplung noch mehr alls normal streikt. Ich habe die Fehlerbeschreibung sowohl meinem Händler als auch Ural Europa zugesendet und habe von beiden die Diagnose bekommen das warscheinlich die Kupplungsscheiben defekt sind. Meine Freundin Petra mit ihrem LKW steht zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Antalya. Ich beschließe dorthin zu fahren und das Motorrad zu reparieren. Petra mit ihrem Riesentruck hat mehr Werkzeug als ich mit. Falls mir was fehlt kann ich mir es bei ihr leihen.

Von den 600 Km Fahrtstrecke fahre ich trotz des Defektes die Hälfte über kleine Bergstraßen.

Drei Tage später komme ich an und schlage auf dem Campingplatz in direkter Nähe zu Petras LKW mein Zelt auf.

Da ich an der Ural noch nicht so viel geschraubt habe hat mir mein Händler die Reihenfolge der Demontage geschickt. Nochmals Danke an Herr Apel (Autohaus Apel in Erfurt) für seine Geduld und den guten Service. Es dauert eine ganze Weile bis ich alles demontiert habe und das Getriebe vom Motor abziehen kann. Die Kupplungsscheiben sind wieder Erwarten noch in Ordnung. Bei der Fehlersuche stelle ich dann fest das der am Getriebe angebrachte Kupplungsbetätigungshebel so fest geschraubt ist das er verklemmt ist. Das muß von Anfang an so gewesen sein. Die Kupplungsfedern waren aber trotzdem stark genug den Hebel immer wieder zurück zu drücken. Leider war allerdings im Getriebe ein Gleitstück nicht richtig geschmiert und schwergängig. Das war dann anscheinend zu viel für die Federn.

Mein Problem war jetzt das ich, um die Kupplung wieder zusammenbauen zu können, ein Zentrierwerkzeug für die Kupplungsscheiben benötigte. Wie meist in solchen Fällen hilft hier auch der Zufall. An dem Abend setzt sich ein netter deutschsprechender türkischer Herr zu uns und ich frage ihn ob er eine Werkstatt kennt die mir so ein Werkzeug anfertigen kann. Am nächsten Morgen fährt er mich mit seinem Auto zu einer solchen Werkstatt und übernimmt auch gleich die Übersetzung und die Preisverhandlung bevor er mich dort alleine läßt. Das ist Hilfsbereitschaft pur.

Nach 2 Stunden und weiteren Diskussionen habe ich dann für umgerechnet 16 € mein Werkzeug und werde sogar noch von dem Lehrling zum Campingplatz zurück gefahren.

Der Kupplungseinbau klappt super und am Abend habe ich die Ural, ohne das Schrauben übrig geblieben sind, wieder fahrbereit.

Jetzt will ich endlich etwas von der Türkei sehen. Ich verabschiede mich von Petra und fahre in Richtung Taurusgebirge los.

In der Türkei ist überall Wildcampen erlaubt und das nutze ich auch aus. Manchmal sind sogar an Quellen auch Toiletten zu finden.

Ähnlich wie schon in Albanien sind die Berglandschaften unglaublich und ich halte oft an um Bilder zu machen. Die Pässe die ich fahre sind teilweise bis zu 2000 m hoch und manchmal über den Wolken.

Am dritten Tag dann ertönen Geräusche aus der Getriebegegend der Ural und werden immer lauter. Ich bin inzwischen bereits 900 km gefahren. An der vorherigen Reparatur kann es also nicht liegen. Sehr beunruhigt biege ich wieder in Richtung Mittelmeerküste ab und miete mich in einer Pension ein. Nach einem Getriebeölwechsel kommt auch keine Klarheit in die Ursache der Geräusche. Es waren zwar Späne an der Ablaßschraube, die Menge klassifizierte mein Händler aber noch als normal für eine Ural.

Da die Pension sehr einsam gelegen war kommt hier eine Reparatur nicht in Frage. Ich brauche zumindest Lebensmittelmärkte in der Nähe um mich versorgen zu können.

Ich beschließe noch weiter nach Kappadokien zu fahren. Den Ort Goröme wollte ich sowieso besuchen um die Unmengen an Heißluftballons die dort jeden Morgen starten zu sehen. Da der Ort ein touristisches Zentrum ist gibt es dort alles was ich brauche und werde dort bestimmt auch andere Reisende treffen. Etwas Angst das die Ural die immerhin 600 Km nicht schaffen könnte hatte ich schon.

Geplant hatte ich für die Fahrt dorthin 3 Tage. Als ich am zweiten Tag mitbekomme das zwei andere Motorradfahrer (Frank und Fabi / clf-Team) ,die ich schon in Bodrum treffen wollte, bereits auf dem dortigen Campingplatz sind, fahre ich die restlichen 370 Km an einem Tag wobei mich mein Navi wieder einmal auf Abwegen führt. Irgendwann nach Unmengen an Matschlöchern kann ich die Strasse nicht mehr vom angrenzenden Acker unterscheiden und drehe um.

In Goröme angekommen erwarten mich dort nicht nur Frank und Fabi sondern auch noch drei Radfahrer (Sonja, Alex und Kathrin). Am nächsten Abend kommt noch Markus, ein weiterer Motorradfahrer dazu. Wir quatschen viel und kochen zusammen Essen. Inzwischen habe ich organisiert das ein Ersatzgetriebe hierher geschickt wird. Ich werde das defekte Getriebe dann direkt zu Ural schicken. Mal sehen was dran ist.

Sonja und Alex fahren zwei Tage später weiter. Wir restlichen 5 besichtigen zusammen eine unterirdische Felsenstadt die 30 Km entfernt liegt. Ganz schön niedrig die Gänge dort aber durch die erstaunliche Weitläufigkeit sehr interessant.

Zwei Tage später fahren Frank, Fabi und Markus weiter. Dafür kommen am nächsten Tag zwei weitere Radfahrer hier an (Julia und Tillmann). Ein Motorradfahrerpärchen aus Holland hat uns an dem Tag Bilder von Ihrer Ballonfahrt gezeigt. Die waren so begeistert davon das Kathrin Julia und ich spontan beschlossen haben das auch mal zu machen. Wir haben für den nächsten Tag gebucht. 150€ kostet der Spass ist aber im nachhinein betrachtet das Geld wert.

Aufstehen war um 3 Uhr morgens angesagt da wir um 3:40 Uhr abgeholt wurden. Bereits auf dem Startplatz der Ballons war es spektakulär.

Insgesamt waren wir 20 Personen in der Gondel. An dem Tag sind 165 Ballons auf einmal gestartet. Was für ein Schauspiel.

Zum Abschluß gabs noch Sekt und ein Zertifikat.

Vollkommen aufgedreht kommen wir wieder auf dem Campingplatz an. Den Rest des Tages habe ich ziemlich verschlafen. 4 h Schlaf waren einfach nicht genug.

Am nächsten Tag verabschiedet sich Kathrin.

Etwas neidisch bin ich schon das alle weiterfahren und ich hänge hier fest. Es gibt aber schlechtere Plätze als diesen. Das Paket sollte eigentlich heute endlich per Express versendet werden. Mal sehen wie lange der Transport dauert.

In den nächsten Tagen habe ich immerhin endlich mal Zeit die ganzen Dinge zu erledigen die ich vor mir hergeschoben habe. Langweilig wird es hier bestimmt nicht.