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Wie im letzten Beitrag geschrieben ist ein Paket mit einem Ersatzgetriebe für meine Ural von Ural Europa aus Österreich an mich versendet worden. Hier meine Erlebnisse mit dem türkischen Paketdienst.

Das Paket wurde per DHL Express am 17.06. abgesendet. Laut Pakettracking sollte es am 21.06. in der Türkei ausgeliefert werden.

Am 21.06. bekomme ich dann eine Email von der türkischen DHL Tochterfirma DGF in der weitere Informationen verlangt werden. Außerdem liegt eine Rechnung über die voraussichtlich zu zahlende Einfuhrsteuer und einer Paketeinlagerungsgebühr von 100 € bei.

Bei der telefonischen Rückfrage bei dem Versender in Österreich wird mir mitgeteilt das von denen alle Kosten (auch Steuer) übernommen werden und das Paket auch entsprechend deklariert ist.

Daraufhin sende ich eine Email an DGF in der ich diese Info weitergebe.

Promt kommt eine Email ohne Rechnung aber mit den anderen Dokumenten zurück.

Da eines der auszufüllenden Dokumente ausschließlich Informationen vom Versender beinhaltet verweise ich darauf sich an diesen zu wenden.

Am 23.06. fragt der Bearbeiter nach ob ich eine türkische Steuernummer habe. Ich solle ihm diese mit den ausgefüllten Dokumenten zusenden.

In meiner Rückmail erkläre ich das ich deutscher Staatsbürger bin und keine solche Nummer habe.

Er besteht auf die Steuernummer. Ohne diese könne der Versand nicht weiter bearbeitet werden. Nach meiner Recherche im Internet finde ich heraus das man auch als Ausländer eine türkische Steuernummer beantragen kann. Ich mache das Online und sende die Nummer am 25.06. dem Bearbeiter zu.

Als Antwort bekomme ich die Info das die Nummer angekommen ist und der Kundenservice sich bei mir melden wird.

Bis zum 27.06. ist das noch nicht passiert und ich frage nach. Am 28.06. bekomme ich dann von einer anderen Bearbeiterin von DGF die Frage zugeschickt ob ich eine Aufenthaltsgenehmigung in der Türkei habe. Die Benötigte Nummer fängt laut ihrer Aussage mit 99 an, meine aber mit 18. Meine gesendete Nummer kann also nicht verwendet werden.

Ich schreibe zurück das ich keine Aufenthaltsgenehmigung in der Türkei habe und nur im Urlaub hier bin. Die Antwort darauf ist das das Paket ohne eine entsprechende Nummer nicht bearbeitet werden kann.

Daraufhin rufe ich nochmals beim Versender des Paketes an. Kurz darauf bekomme ich eine Kopie der Anfragemail vom Österreichischen Versandunternehmen Dachser in der bei DGF nachgefragt wird ob es einen Weg zur Paketbearbeitung ohne diese Nummer gibt.

Die Antwort ist: Nein, den gibt es nicht.

Daraufhin fragt Dachser an ob das Paket zurück gesendet werden kann. Da ich die Teile nur bei dem Hersteller bekomme (Garantiefall) und dieser mir, aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Paket , mitgeteilt hat das er voraussichtlich nicht noch einmal in die Türkei versenden wird schreibe ich Dachser an das das Paket nicht zurückgeschickt werden soll.

Am 29.06. spreche ich mit dem Campingplatzbesitzer ob er mir seine Steuernummer zur Verfügung stellt. Dieser ruft bei DGF an und bei dem Gespräch kommt heraus das gar nicht die Steuernummer sondern die Ausweisnummer benötigt wird. Eine Woche lang wurde immer wieder „Taxnumber“ geschrieben.

Diese muß aber auf meinen Namen gelten da ich der Empfänger des Paketes bin.

Daraufhin kommt eine Email von DGF ob sie das Paket zurücksenden sollen. Ich antworte wieder das es nicht zurückgeschickt werden soll.

Ahmet der Campingplatzbesitzer vermittelt mir daraufhin den Kontakt zu einem englischsprachigen türkischen Übersetzer. Der kommt eine Stunde später und wir fahren zur Gemeindeverwaltung in die nächste Stadt.

Dort wird uns mitgeteilt das mir eine türkische Passnummer ausgestellt wird wenn ich eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung beantrage. Dafür werden Passbilder, eine türkische Krankenversicherung für 3 Monate, eine Reservierungsbestätigung des Campingplatzes über 3 Monate auf dem ich bin und einige Kopien benötigt. Wir machen uns gleich auf den Weg um diese Sachen zu besorgen. Die Krankenversicherung kostet mich 85€. Danach machen wir online einen Termin in der Gemeindeverwaltung für den nächsten Tag aus.

Am nächsten Morgen spricht mein Übersetzer einige Zeit mit dem Bearbeiter und fängt an etwas handschriftlich niederzuschreiben. Er teil mir mit das der Bearbeiter grade gesagt hat das es doch möglich ist eine Passnummer ohne Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Die Krankenversicherung würde dafür nicht benötigt. Na toll. Die Versicherung ging nicht mehr zu stornieren.

Ich komme mir vor wie ein Verbrecher. Es werden Fotos von mir in Seitenansicht von rechts und links gemacht und Fingerabdrücke von allen 10 Fingern genommen. Die Nummer soll mir noch am gleichen Tag mitgeteilt werden, was ich bezweifle da es Freitag ist und der Bearbeiter nur bis Mittag arbeitet. Am Montagmorgen ruft mein Übersetzer bei dem Amt an und bekommt die Nummer durchgegeben. Inzwischen ist der 4.07.

Ich gebe die Nummer sofort an DGF weiter. Erstmal keine Antwort. Am 5.07. kommt dann eine Email von DGF mit den Papieren die ich bereits zugesendet hatte. Dort wären einige Angaben falsch die ich korrigieren solle. Um mir das mitzuteilen hat DGF 7 Tage gebraucht ☹

Also die Zettel nochmal ausgefüllt und weggeschickt. Am 6.07. kommt nochmal eine Email von DGF in der weitere Angaben gefordert werden. Unter anderem Bilder der Artikel und eine Bezahlbestätigung der Warenrechnung. Ich schicke die Bilder und Teile mit das die Rechnung erst bei Erhalt der Ware bezahlt werden soll, ich also keine Zahlungsbestätigung habe. Daraufhin ist trotz mehrerer Rückfragen Funkstille. Bei der Paketverfolgung im Internet steht jetzt das noch Dokumente vom Versender benötigt werden.

Ich schreibe nochmal Dachser an und teile dies mit. Von dort auch keine Rückmeldung.

Also bitte ich meinen Übersetzer nochmals bei DGF anzurufen. Dort wird ihm mitgeteilt das jetzt alle Angaben vollständig sind , DGF aber noch auf die Freigabe der türkischen Regierung warten muß das die Ware in die Türkei eingeführt werden darf. Dafür hatte DGF 3 ganze Wochen Zeit und macht dies erst jetzt. Des weiteren wir ihm gesagt das das Paket in den nächsten 5-10 Tagen geliefert wird da ja noch auf die Freigabe gewartet werden muß und außerdem die nächsten 4 Tage Feiertage sind (Opferfest).

Der ganze Spass hat mich insgesamt fast 200€ gekostet.

Am meisten genervt hat das DGF immer erst gewartet hat bis eine Sache abgearbeitet wurde und danach erst nachgesehen hat ob die anderen, bereits zugesendeten Daten richtig sind.

Mein Tip für alle die ein Paket in die Türkei versenden wollen: Versand an einen türkischen Staatsbürger und den Warenwert, wenn dies irgendwie möglich ist unter 150€ deklarieren. Dann wird keine Steuer fällig und die ganze Prozedur muß nicht durchgeführt werden.

In meiner Wartezeit habe ich auf dem Campingplatz viele interessante Leute kennen gelernt. Unter anderem ein deutsch-chinesisches Paar aus Deutschland (Günther und Sunny). Sunny hat mich spontan zu einem Interview aufgefordert. Sie hat in China einen Youtubekanal in dem sie diese Interviews veröffentlicht. Wir haben dabei viel gelacht. Hier das Ergebnis.

Ansonsten habe ich inzwischen, da ich ja viel Zeit habe, sogar meine Steuererklärung gemacht und unmengen an Büchern gelesen.

Die Strecke die ich eigentlich für meine Türkeireise geplant hatte ist inzwischen nicht mehr realisierbar da ich Ende Juli-Anfang August wieder in Bulgarien sein will. Die Gegenden die ich nicht abfahren kann werde ich dann im nächsten Jahr sehen. Ich habe ja Zeit.

In der letzten Woche wäre mir morgens um 5 Uhr, auf dem Rückweg von der Toilette, fast ein Heissluftballon auf den Kopf gefallen 🙂

Der Campingplatzbesitzer macht inzwischen jeden Tag Witze über mich. Ich wäre sein bester Gast und da ich ja eine Reservierung für 3 Monate habe (siehe Unterlagen für das Paket) auch sein einziger Dauergast 😉

Ich habe auf jeden Fall viel über die Bürokratie in der Türkei gelernt. Es hilft auf jeden Fall wenn man optimistisch bleibt und viel, viel Zeit hat.